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WIR UND DIE ANDEREN - ZUM VERHÄLTNIS VON FORSCHENDEM UND BEFORSCHTEM
Die Frage nach dem Verhältnis von Forschendem und Beforschtem und ihrer gegenseitigen Abhängigkeit und Beeinflussung ist eine konstituierende Frage der Gesellschafts- und Sozialwissenschaften - und bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein ist sie mehrheitlich klar und selbstbewusst beantwortet worden: Das aktive Subjekt des Forschenden trifft eindeutig wahre oder falsche Aussagen über die eigentliche Natur des passiven Beforschten. Solche Diskursmacht des Forschenden spiegelt sich unter anderem in den Vorstellungen einer linearen, determinierten Entwicklung des Menschen und menschlicher Gesellschaften wider.
Mit dem Ende des Kolonialismus setzte hier ein Umdenken ein. Aus dem Objekt des Beforschten sollte ein Subjekt gemacht werden. Ideen vielfältiger Modernen und Narrationen wurden entworfen. Mit den diversen „turns“ der letzten Jahrzehnte, welche die Emanzipation des Beforschten zum Ziel hatten, sollten die ursprünglichen Objekte (wi(e)der)sprechen. Doch welche Rolle sollte und soll hierbei dem Forschenden, dem im institutionellen Gefüge westlicher Wissenschaft Arbeitenden zufallen?
Weiterhin unterscheiden wir uns über alle Disziplinen hinweg kaum in unserer Vorliebe einen „Anderen“, einen GEGENSTAND unserer Forschung, zu konstruieren. Trotz der Konjunktur „kritischer Wissenschaften“ bleibt es dabei, dass Wissenschaft betrieben wird: Ein aktives und kreatives Subjekt, der Wissenschaffende, spricht über ein Objekt außerhalb seiner selbst, seiner eigenen kleinen Welt. Neu an diesem Zustand ist nicht das Machtgefälle als solches, sondern vielmehr seine fortgesetzte Existenz, allen Versuchen zu seiner Überwindung und dem Selbstverständnis vieler Gesellschaftswissenschaften zum Trotz.
Diesem Dilemma soll sich das Panel stellen: Wie können wir in dem Wissen um unsere Rolle bei der Erschaffung des Objekts und um die Notwendigkeit seiner Existenz als Objekt eine reflektierende Wissenschaft ermöglichen?
Vorschläge für Beiträge zu den einzelnen Panels im Umfang von maximal 500 Wörtern werden erbeten bis zum 15. Juni an: abstracts@ngfp2008.org
CALL FOR PAPERS
28. - 30. Juli 2008